Interview Ricarda Kiel

 

"Freiheit bedeutet nichts anderes, als dass man voll und ganz die Verantwortung für sein eigenes Tun übernimmt."

Über Ricarda Kiel

Ricarda Kiel ist gelernte Goldschmiedin, arbeitet heute aber als Webdesignerin und Beraterin und macht noch einige andere Projekte. Das Wort „Website-Hebamme“ bringt ihre Arbeit wohl am besten auf den Punkt, denn sie hilft Menschen dabei, eine eigene Website zu erstellen. 

Web        www.diegutewebsite.de

Web        www.ricardakiel.de

 

Interview vom 18.07.2014 in München.

Ricarda Kiel hat Goldschmiedin gelernt, arbeitet heute aber als Webdesignerin und Beraterin. Sie hilft unter anderem Menschen dabei, eine persönliche Website zu erstellen. Sie möchte damit Teil einer Bewegung sein, in der immer mehr Menschen sich trauen, selbständig und fröhlich ihren Teil zur Welt beizutragen. Grund genug, Ricarda in München zum Interview zu treffen um mit ihr über ihren Weg und ihre Definition von Arbeit und Erfolg zu sprechen.

 

Du hast in Pforzheim Goldschmiedin gelernt. Wie bist Du dann zu der Arbeit gekommen, die Du heute machst?

 

Nachdem ich fertig war, wollte ich eigentlich ganz klar ein eigenes Schmucklabel gründen. Nachdem ich eine Weile mit einer Freundin in Italien bei einem Goldschmied war, bin ich dann „kurz“ zu meinen Eltern nach Stuttgart gezogen und wollte von dort aus loslegen. In dem Moment ist dann alles sehr schnell ganz anders gekommen. Mein Vater hat in der Zeit eine Online-Marketing Agentur gegründet und hat Hilfe gebraucht. Er hat mich gefragt, ob ich ihn ein bisschen unterstützen und die grafischen Sachen übernehmen kann, so für zwei, drei Wochen. Im Endeffekt war es dann ein ganzes Jahr. (lacht) 

Das war schwierig, aber nicht von der Zusammenarbeit. Ich saß dann plötzlich mit Anfang 20 in so riesigen Marketingmeetings von ganz großen Firmen. Ich bin damals krass ins kalte Wasser geworfen worden. Dadurch habe ich mir in kurzer Zeit vieles selbst beigebracht und zusammen mit meinem Vater habe ich ganz viel über unternehmerisches Denken gelernt und wir haben einiges ausprobiert. Letztendlich hat das mit der Agentur nicht funktioniert, aber es war eine riesige Erfahrung. Irgendwann war es dann aber wirklich genug, ich wollte dann auch nicht wieder Zuhause wohnen. Die Freundin, mit der ich auch schon in Italien war, ist zu der Zeit nach München gezogen und da habe ich kurzentschlossen gesagt: Ich komme mit. (lacht) 

Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann ja durch die Agentur meines Vaters schon ein bisschen Webdesign gemacht und hatte sogar schon einen Kunden. Das war allerdings einfach Anfängernaivität, mit nur einem Kunden nach München zu ziehen. Dort habe ich mich dann von einem zum anderen gehangelt und mich um neue Kunden bemüht. Gleichzeitig habe ich auch immer weiter gelernt: Webdesign, Programmierung, Unternehmertum. Alles learning by doing. Heute gebe ich ja selbst Kurse für Gründer und habe erst dadurch festgestellt, was es alles an Angeboten und Hilfestellungen speziell für GründerInnen gibt. Ich habe es mir damals ziemlich schwer gemacht. 

Du bist vor 6 Jahren mit nur einem Kunden nach München gezogen. Viele Menschen hätten sich in der Situation vielleicht eher einen Job gesucht. Kam Dir die Idee nie? Und war Dir total klar, dass Du selbstständig arbeiten willst?

 

Gute Frage. Ich glaube, mir kam damals tatsächlich der Gedanke gar nicht, mir einen Job zu suchen. (lacht) Mein Vater war lange Zeit angestellt und nicht ganz so glücklich. Dadurch, dass ich das mitbekommen habe und mir auch schon lange klar war, dass freie Arbeit besser zu meiner Art passt, wollte ich das eben machen.

Es war auch ein bisschen Dickköpfigkeit. Ich hatte einfach einen ganz großen Wunsch, selbstbestimmt zu arbeiten. Aber es war bestimmt auch viel Naivität, weil ich gar nicht wirklich darüber nachgedacht habe. 

 

Wobei es sich so anhört, als hättest Du auf deinen Bauch gehört.
 

Ja, auf jeden Fall. Und von meinem Bauchgefühl kam dieser Wunsch nach Selbstbestimmung. Aber auf der anderen Seite war es ein gewisser Druck, den ich mir gemacht habe. Ich hatte das Gefühl, wenn ich schon den Schmuck dafür aufgebe, dann muss ich meine Selbstständigkeit an einen Punkt bringen, der toll für mich ist. Dafür habe ich jetzt die letzten Jahre auch gebraucht.

 

Was steht denn auf deiner (imaginären) Visitenkarte? Oder wie erklärst Du einer fremden Person, was Du heute machst?

 

Also wenn ich es verkürzen muss, sage ich einfach nur „Webdesigner“. Wobei das eigentlich nicht mehr stimmt. Ich gestalte ja nichts mehr für andere Leute, sondern helfe ihnen dabei, schnell eine Grundwebsite zu haben und den Prozess zu beginnen, mit der eigenen Seite zu arbeiten. Das ist auch das, was mich eigentlich interessiert: Wie arbeiten Menschen mit ihrer Website? Wie arbeite ich mit meiner eigenen? Es gibt einen Begriff für meine Arbeit, der jetzt immer wieder im Feedback von meinen Kunden aufgetaucht ist, mit dem ich mich aber noch etwas schwer tue: „Website-Hebamme“. (lacht) Es ist zwar ein komischer Begriff, aber er passt inhaltlich schon sehr gut. 

 

Du arbeitest jetzt mit vielen Gründerinnen und Gründern. Findest Du es einfach, sich in Deutschland selbstständig zu machen?

 

Es wird einem nicht einfach gemacht. Gar nicht so sehr, dass es die Angebote nicht geben würde. Hier in München gibt es unheimlich viele Beratungsangebote, auch speziell für Frauen. Viele davon sind sehr günstig oder sogar kostenlos. Ansätze sind auf jeden Fall da, das ist nicht das Problem. Aber was fehlt, sind Vorbilder und Informationen. 

Mir selber fehlt das gar nicht, da in meinem Umfeld fast alle selbstständig sind und das natürlich prägt. Aber ich arbeite oft mit Gründern, bei denen ich sehe, wie schwer das ist, wenn man aus einem ganz klassischen Angestellten-Umfeld kommt. Wenn Du nur Leute um dich herum hast, die ihren 9-5 Job machen und nicht verstehen, was Du machst oder machen willst. Diese Zweifel und Fragen von deinem Umfeld beeinflussen ja auch. Und dieses Misstrauen und die Angst können einem da echt eingepflanzt werden.

Viele Kundinnen, mit denen ich heute arbeite, sind Frauen über 40. Die haben alle schon festangestellt gearbeitet, manche haben dann Kinder bekommen und haben dadurch ein bisschen das Gefühl, weg vom Fenster zu sein. Und diese Frauen müssen jetzt Mut aufbringen, noch mal etwas anderes zu machen. Die haben alle mindestens eine lange Ausbildung gemacht, zig Jahre festangestellt in einem Beruf gearbeitet und dann noch Kinder großgezogen. Damit haben sie so viele Fähigkeiten, sie sind stressresistent, wissen unheimlich viel, können Dinge verknüpfen, gut organisieren und sind eigentlich an einem perfekten Punkt, um zu gründen. Eigentlich sind sie auch viel besser vorbereitet als ein junger Gründer, der gleich nach der Uni gründen will. Aber das ist den wenigsten Frauen klar.

Für mich ist das manchmal fast zum Verzweifeln. Was ganz oft auftaucht, ist diese Angst davor, rauszugehen und sichtbar zu werden. Die Person muss sich dann ja selber darstellen, wenn sie eine Website hat. Man muss also wissen, wer man ist, was man macht, welches Angebot man hat und warum man es tut. Und in unseren Gesprächen ist Angst dann oft ein Thema. Die Angst ist sehr präsent. Deswegen ist ein ganz großer Teil meiner Arbeit, Mut zu machen. 

 

Du sagst, dass es bei Dir ganz anders war, weil Du aus einem anderen Umfeld kommst. Wie war es denn dann bei Dir? Hattest Du Ängste oder hast dich unsicher gefühlt? 

 

Ja, klar. Meine Ängste und Unsicherheiten waren aber eher darauf bezogen, was ich machen will. Ich habe mich immer mit der Frage beschäftigt, warum ich keinen Schmuck mehr mache. Das hat mich oft abgelenkt. Am Anfang hatte ich aber natürlich auch massive Ängste, wie ich meine Rechnungen nächsten Monat bezahlen soll. Aber wenn man das ein paar Mal hatte und merkt, dass sich dann doch immer wieder etwas ergeben hat, bleibt zwar dieses Stressgefühl, aber die Angst geht irgendwann weg. Ich war also immer mehr damit beschäftigt, ob es richtig ist, was ich mache. Dadurch hatte ich gar nicht so viel Platz für andere Zweifel und Ängste.  

 

Du bist offensichtlich ein Mensch, der sich auch immer wieder fragt, wie er leben und arbeiten will. Du hinterfragst dich und das, was Du tust. Was ist denn dann für dich Arbeit? Wie definierst Du Arbeit?

 

Ganz grundsätzlich bedeutet Arbeit für mich erstmal sehr, sehr viel. Ich habe eine sehr positive Einstellung zu Arbeit. Ich blende die Definition solcher Begriffe aber auch ein bisschen aus, glaube ich. Die Arbeit mit den Websites ist ja quasi meine Geld-Arbeit, die ich gerne mache. Aber das Schreiben ist für mich genauso meine Arbeit, beziehungsweise schenke ich in der letzten Zeit dem Schreiben immer mehr diesen Status der Arbeit. Ich habe gerade einen Plan für die nächsten Monate gemacht und habe dabei einen Tag in der Woche dem freien Schreiben gewidmet. Das werde ich jetzt durchziehen. Ich verdiene inzwischen so gesichert, dass das Schreiben jetzt auch noch mehr Raum einnehmen darf und soll. 

 

 

Ist das für dich Erfolg? Fühlst Du dich erfolgreich dadurch, dass Du jetzt solche Entscheidungen treffen kannst?

 

Ja, total. Ich war so glücklich in dem Moment, als ich über die nächsten Monate nachgedacht habe. Da ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt langsam an einem Punkt bin, wo alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. 

 

Könntest Du Erfolg noch mal genau definieren? Was es für dich persönlich bedeutet. Ich finde es immer sehr schade, dass diese Begriffe so einseitig besetzt sind und dadurch eine Diskussion darüber schwer aufgebrochen werden kann. Karriere kann ja zum Beispiel ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Und Erfolg kann auch bedeuten, sich selbst finanzieren zu können, durch die Arbeit, die man liebt.

 

So eine allgemeine Definition kann ich gar nicht geben, glaube ich. Ich merke es eher in bestimmten Momenten, was Erfolg für mich ist. Wenn ich zum Beispiel jemandem früher erzählt habe, dass ich jetzt seit 3 Jahren in dieser teuren Stadt wohne und mich selbst finanziere. Da war ich unglaublich stolz und das war für mich auch ein totaler Erfolg. 

Ein weiterer Moment, in dem ich für mich erfolgreich war, war nach 4 oder 5 Jahren. Da brauchte ich eine Auszeit, um mir über ein paar Dinge klar zu werden und Zweifel zu beseitigen. Ich habe mir selber ein Sabbatical verordnet. Dafür habe ich dann ein Dreivierteljahr ganz viel gearbeitet und alle Aufträge angekommen, auch solche, die ich sonst nicht gemacht hätte. Den Rest des Jahres war ich dann in Amerika. Das war für mich ein Erfolg. Zum einen, dass ich es geschafft habe, mir das zu ermöglichen und zum zweiten, wie ich mein Sabbatical genutzt habe. In dieser Zeit sind alle Ideen entstanden und ich habe all das ausformuliert und geplant, was ich in den letzten zwei Jahren umgesetzt habe und noch immer umsetze. Und diese Ideen und die Arbeit daran bereiten mir so viel Freude. Deswegen war die Auszeit für mich total entscheidend.

Das ist für mich eine Form von Erfolg: Ich habe sehen können, dass ich diese Auszeit brauche, habe sie mir nehmen können und habe dann in der Zeit ganz intensiv und frei an Konzepten gearbeitet. Ich habe mir die Zeit genommen, um hinzuspüren und zu hinterfragen. Seitdem ist für mich alles sehr viel klarer geworden. Heute ist mein Onlinekurs ein Erfolg für mich. Dass es ihn überhaupt so gibt, wie er ist und dass er so gut angenommen wird. Ein absoluter Erfolg ist für mich auch, dass ich spüren kann, was ich noch machen will - Schreiben - und dass ich diesem Vorhaben Platz einräumen kann. Da wollte ich immer hin. 

 

 

Wie schnell konntest Du von deiner Selbstständigkeit leben? Und wie wichtig sind Dir Geld, Freiheit und Sicherheit? Denkst Du viel darüber nach? 

 

Ich konnte sofort davon leben. Ich hatte ja diesen einen Kunden, für den ich relativ viel gemacht habe. Das hat mir die ersten Monate abgesichert, mehr schlecht als recht, aber das ist ja egal. (lacht) 

Ich mache mir sehr viele Gedanken darüber. Vor allem die Frage, was Freiheit für mich ist, begleitet mich schon immer. Ich versuche schon seit jeher zu formulieren, was Freiheit für mich ist und was ich brauche.

Das passt jetzt wieder ganz gut zu meiner Definition von Erfolg. Bis vor Kurzem war Geld total unwichtig für mich. Mir war viel wichtiger, dass ich das Tun in den Griff bekomme, also dass ich mag, was ich mache, meine Arbeit. Das war für mich ein Stück Freiheit. Jetzt merke ich, dass ich inzwischen ein stärkeres Bedürfnis nach Sicherheit habe als vorher. Ich habe jetzt Lust, mehr Geld zu verdienen, um mir mal einen Puffer anzulegen. Das ist mir im Moment wichtig, bis vor Kurzem hat das aber noch gar keine Rolle gespielt. 

Die Möglichkeit, das einfach umzusetzen und selber zu steuern, bedeutet auch Freiheit für mich. 

Meine treibende Kraft war immer die Freiheit, das ist ganz klar. Es ist aber cool zu sehen, dass dieses andere Bedürfnis auch seinen Platz hat. Es ist ja nie nur ein Bedürfnis, glaube ich. Jeder wünscht sich ja ein Stück Freiheit und ein Stück Sicherheit. Daran glaube ich ganz fest, dass jeder beide Bedürfnisse in sich hat. Manchen reicht für ihr Freiheitsgefühl vielleicht auch schon der Urlaub. Bei jedem nehmen die unterschiedlichen Bedürfnisse verschieden viel Platz ein und das ist ja total okay, solange die Aufteilung für denjenigen okay ist.

 

 

Und dazu kommt ja auch, dass es oft Interpretationssache ist, was Sicherheit und Freiheit überhaupt bedeuten. Ich fühle mich in meiner Selbstständigkeit nicht unsicherer als vorher in meinem Angestelltenverhältnis. Denn jetzt bin ich selbst dafür verantwortlich, wie meine Arbeit läuft und wie meine Auftragslage ist. 

 

Das ist eine total gute Formulierung: Ich fühle mich verantwortlich für meine eigene Sicherheit. Ich spüre gerade das Bedürfnis nach mehr Sicherheit und bin natürlich auch verantwortlich dafür. Es gibt dafür den amerikanischen Begriff „ownership“. Also „owne“ ich jetzt auch dieses Bedürfnis, ich nehme es an und versuche es zu füllen.

Das klingt jetzt so überlegt, so ist es natürlich nicht immer. Aber wenn man es - wie jetzt - mal aus der Ferne oder rückblickend betrachtet, ist es so. Das mag ich auch an meiner Selbstständigkeit. Ich kann die Verantwortung übernehmen und mir ein System bauen, was mich Geld verdienen lässt. 

 

„Verantwortung tragen“ ist leider oft ein wenig negativ belastet bzw. klingt es nach etwas, das schwer ist und auf einem lastet. Dabei kann es ja auch etwas sehr schönes sein, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. 

 

Auf die Gefahr hin, dass es hochtrabend klingt - das ist eine Kernerkenntnis meines Lebens: Freiheit bedeutet nichts anderes, als dass man voll und ganz die Verantwortung für sein eigenes Tun übernimmt. Das ist natürlich in jedem Menschen anders ausgeprägt, aber bei mir führt das dazu, dass ich so lebe und arbeite, wie ich es jetzt tue. 

 

Du bist ja in Amerika aufgewachsen und Du hast in einem Interview mal gesagt, dass Du das unternehmerische Denken ein bisschen von dort mitgenommen hast. Was ist denn der Unterschied zu Deutschland? Oder was fehlt hier?

 

Ich muss das vorsichtig formulieren, damit es sich nicht platt anhört. Aber ich glaube, dass es in Deutschland eine Tendenz gibt, sehr schnell nach Anderen zu rufen. Nach dem Staat, nach anderen Personen, die einem den Weg ebnen. Oder manchmal ist es einfach eine grundlegende Erwartungshaltung. Es gibt hier für alles und jeden eine Stelle, die zuständig ist und das prägt einen natürlich auch. In Amerika ist das nicht so sehr der Fall. Da gibt es viel mehr die Einstellung „Mach mal“. Das trägt zum Teil ja auch ganz unangenehme Früchte und ich will gar nicht sagen, dass das immer besser ist. Aber was die unternehmerische Haltung angeht, wird in Amerika viel mehr probiert, umgesetzt - man nimmt sich dort viel mehr selbst in die Pflicht. Und diese Wurzel von unternehmerischem Denken sehe ich als den Unterschied, und das ist es auch, was ich von dort mitbekommen habe.

 

Was fehlt Dir hier? Und was würdest Du Menschen mit auf den Weg geben, die gründen wollen?

 

Eine ganz wichtige Sache sind gute Beispiele, so wie ihr das ja auch mit superwork macht. Denn wenn dein Umfeld nichts damit zu tun hat, ist es sehr viel schwerer. Gute Beispiele und auch Kontaktmöglichkeiten zu anderen Gründern. Ganz viel funktioniert dadurch, dass man andere mit Begeisterung ansteckt. Es gibt hier in München einige Projekte an den Unis, dass man sich direkt aus dem Studium heraus selbstständig macht. Das finde ich total gut. Warum nicht auch direkt aus der Schule heraus? Oder nach einer Ausbildung? Da gibt es noch so viele Möglichkeiten und das sind Stellen, wo ich ansetzen würde. Dadurch würde ja auch gleich eine andere Prägung stattfinden. 

 

 

Dadurch würde Selbstständigkeit vielleicht auch einen anderen Status bekommen. Es wird ja schon oft als zweite Wahl gegenüber einer Festanstellung angesehen.

 

Ja, dabei ist das so ein Quatsch. 

 

Darf/Muss man von seiner Arbeit erwarten, dass sie glücklich macht?

 

Ich erwarte es von meiner Arbeit im gleichen Maße wie von meinem Leben. Ich habe nicht die Erwartung, dass ich in jedem Moment total happy bin, ich erwarte eher, dass ich alle möglichen Emotionen erlebe. (lacht) Eine grundlegende Ruhe möchte ich gerne, das ist mir wichtig. Ähnlich ist es bei der Arbeit auch. Ich juble nicht, wenn ich meine Steuer mache. (lacht) Aber grundsätzlich ist es eine berechtigte Erwartung, finde ich. Wobei Glück vielleicht das falsche Wort ist. Ruhe und Zufriedenheit treffen es mehr. Dass man eben nicht denkt, es sollte alles anders sein.

Meine Erwartung ist, dass ich präsent sein kann. Der Begriff Glück ist zu abgenudelt oder gehypt. Und es hat auch einfach immer etwas mit Phasen zu tun. Ich hatte auch Phasen, in denen ich überhaupt nicht glücklich oder ruhig war. Das musste aber so sein, damit ich jetzt hier an diesem Punkt bin.

Man ist dann zufrieden, wenn man eine Tätigkeit macht, die jetzt zu diesem Zeitpunkt für einen richtig ist. 

 

Vielen Dank für das tolle Gespräch!