Interview Conni Biesalski

„Ich habe das Glück, Dinge zu tun, die meine Leidenschaft sind und zufälligerweise verdiene ich damit auch mein Geld.“

Über Conni Biesalski

Conni ist Tauchlehrerin, ortsunabhängige Social Media & Blogging Beraterin und Gründerin von Transit Media, einer Medienagentur für Blogger Relations.

Web www.planetbackpack.de
Twitter @planet_backpack
Instagram planetbackpack

 

Interview vom 7. September 2013
via Skype: Berlin - Italien

Conni Biesalski ist digitale Nomadin. Sie reist eigentlich schon ihr halbes Leben und seit ein paar Jahren arbeitet sie auch von jedem Ort, an dem sie gerade ist. Nach ihrem Master 2009 hat sie sich mit einem One Way Ticket auf den Weg gemacht. Zwei Jahre später ist sie dann in Berlin gelandet und stand auf einmal vor der Herausforderung, 8 Stunden in einem Büro zu sitzen. Da war schnell klar, dass Conni ganz frei arbeiten und leben will und zwar überall. Wir haben mit Conni über ortsunabhängige Arbeit, Leben, Freiheit und Sicherheit gesprochen.

Wie war das damals in Berlin? Und wie ging es dann weiter?

 

In Berlin wollte ich schon immer mal für eine Weile wohnen. Also bin ich mit meiner damaligen Freundin zurück nach Deutschland gegangen.

Und dann kam aber auch die große Angst „Scheiße, ich brauche jetzt einen richtigen Job.“

Zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe zwar schon immer gearbeitet und gejobbt, in der Uni und auch so. Aber ich hatte vorher noch nie einen richtigen „Erwachsenenjob“. Dann bin ich bei einer PR und Social Media Agentur für Startups gelandet und habe aber schon nach zwei Monaten gemerkt, dass ich das nicht schaffe. Das hat mich total wahnsinnig gemacht jeden Tag in einem Büro vorm PC zu sitzen. Immer der gleiche Ablauf, von Montag bis Freitag und man lebt eigentlich nur fürs Wochenende. Das war für mich ein absolutes Gefängnis-Gefühl, fest gekettet am Schreibtischstuhl. 

Das ist für mich die passende Metapher. Was die Alternative sein könnte, wusste ich aber auch nicht so genau. Ich habe dann aber trotzdem schon mal meine Kündigung eingereicht und hatte noch ein paar Monate. Dann war für mich klar, dass ich jetzt schauen muss, was es für Alternativen zum Angestelltendasein gibt. Mein Job als Tauchlehrerin war immer meine Hintertür, falls nichts anderes geklappt hätte. Irgendwie bin ich dann auf einschlägige Blogs gestoßen und habe „Die 4-Stunden-Woche“ gelesen. Mir war dann schnell klar „das ist es“.

 

Am Anfang war ich noch sehr skeptisch und unsicher, ob es wirklich funktionieren kann, über das Internet Geld zu verdienen und ortsunabhängig zu arbeiten.

Ich habe dann immer mehr gelesen und recherchiert und habe online Leute kennengelernt und ich dachte, das ist genau das, was ich brauche und was ich machen will. Ich will ortsunabhängig sein, ich will von überall aus arbeiten, ich will überall auf der Welt reisen und leben und ich möchte die Dinge tun, auf die ich Lust habe. Dann habe ich recherchiert, welche Fähigkeiten oder Dinge ich umsetzen kann, die ich als Dienstleistung anbieten kann. In der Zeit habe ich dann schon meinen ersten Blog A Life Of Blue auf englisch gestartet. Das war dann mein Katalysator und ich habe dort auch meinen Weg raus aus dem Job und hin zu meiner ortsunabhängigen Selbstständigkeit dokumentiert. Nach 8 Monaten in der Agentur bin ich gegangen und hatte schon meine ersten Kunden im Social Media/Online PR Bereich. Das ging sehr reibungslos durch meine Planungszeit.

Im April 2012 habe ich dann Planet Backpack gestartet, bin nach Indonesien, habe als Tauchlehrerin gearbeitet und nebenher meine Kunden betreut und an Planet Backpack gearbeitet. Zwischendurch war ich wieder in Berlin und noch mal in Thailand. Dort habe ich Sebastian von Off the Path kennengelernt und wir haben Ende 2012 gemeinsam in Berlin das Blog Camp ins Leben gerufen. Während der ITB hatten wir dann unser erstes Blog Camp, mit dem Ziel, das wir das Bloggen im deutschsprachigen Raum voran bringen. Inzwischen haben wir vier oder fünf Blog Camps gehalten. Durch die Blog Camps und durch Planet Backpack verdiene ich ganz gut und konnte so nach und nach meine Kunden kündigen und kann mich jetzt immer mehr auf meine eigenen Projekte konzentrieren.

Sebastian und ich haben vor einer Weile Transit Media gegründet, eine Medienagentur für Blogger Relations, Content Marketing und Blogger Kampagnen. Diese 3 Sachen sind jetzt meine Hauptdinge: Planet Backpack, Blog Camp und Transit Media.

 

Du hast Dir ja echt deinen Job gebaut, super. Trennst Du für dich eigentlich Arbeit und Leben?

 

Nee, ich glaube so eine richtige Trennung gibt’s da nicht mehr. Meine Lebens- und Arbeitsphilosophie geht in die Richtung „Lifestyle Business“. Das meint eine Arbeit zu haben, die so in mein Leben integriert ist, dass ich diese Abgrenzung gar nicht mehr  brauche. Weil die Dinge, die ich mache mir so viel Spaß bereiten, dass sie mein Leben geworden sind. Deswegen gibt es auch keine fixen Arbeitszeiten oder in dem Sinn ein Wochenende oder Urlaub. Es fließt eher alles ineinander und meine Arbeit ist zu meinem Leben geworden, ohne dass ich jetzt ein Workaholic wäre. Ich habe das Glück, Dinge zu tun, die meine Leidenschaft sind und zufälligerweise verdiene ich damit auch mein Geld. 

 

Wie würdest Du Arbeit definieren?

 

Für mich ist das Wort Arbeit an sich ein Problem, denn es hat eine total negative Konnotation. Ich verwende ganz oft den Begriff Arbeit gar nicht oder sage „Ich muss jetzt was arbeiten“. Wenn dann benutze ich es eher für andere Menschen, die sonst nicht verstehen, was ich mache.

Die Dinge, die ich mache und mit denen ich Geld verdiene, würde ich nicht als Arbeit bezeichnen oder ich empfinde sie nicht so.

Natürlich gibt es immer mal Sachen, auf die man keine Lust hat. Für mich ist zum Beispiel E-Mail Verkehr sehr anstrengend, weil das so viel geworden ist. Wenn etwas zu viel Arbeit wird, versuche ich das auch zu ändern.

Für Transit Media und Blog Camp haben wir jetzt zum Beispiel eine Teamassistentin. So kann ich mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren, die mir auch Spaß bereiten. Wenn jemand über Arbeit spricht, ist es meistens keine Tätigkeit, die frei vonstatten geht. Oft ist es etwas, was man machen muss und das ist es bei mir eben nicht. Ich habe mir ein recht gutes passives Einkommen aufgebaut und dadurch habe ich nicht den Druck, darüber hinaus noch arbeiten zu müssen. Vor allem das Einkommen über Planet Backpack findet komplett passiv statt, dafür muss ich quasi nichts mehr machen. Und alles was ich darüber hinaus noch mache, ist ja freiwillig und extra. Dadurch kann ich mir dann dafür genau die Dinge aussuchen, die mir viel Spaß machen.

 

Für viele Menschen ist „Sicherheit“ ein großes Thema. Hast Du das Gefühl, Sicherheit zu haben? Oder ist Dir das egal?

 

Das ist eine gute Frage. Denn ich denke, das hält die meisten Menschen ab. Weil sie Existenzängste haben und finanzielle Sicherheit haben wollen. Ich kannte das noch nie so richtig, glaube ich.

Risiken eingehen und Herausforderungen annehmen war schon immer Bestandteil meines Lebens.

Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich aber vor allem in den ersten sechs Monaten schon gemerkt, dass da auch Ängste waren. „Scheiße, was ist, wenn es daneben geht?“ Diese Ängste können sehr stressig werden, wenn man nicht weiß, wie man damit umgehen soll. Ich habe mich dann sehr intensiv mit meinen Ängsten und auch mit diesem Sicherheitsdenken auseinander gesetzt. Mich hat interessiert, woher die kommen und warum mich das so stresst. Aber wenn man sich seinen Ängsten stellt, verschwinden sie irgendwann oder werden kleiner. Das habe ich festgestellt. Da hat mir Meditation geholfen und eben auch, dass ich gemerkt habe, das es immer besser wird.

Heute habe ich diese Ängste nicht mehr. Selbst wenn morgen alles den Bach runtergehen würde, weiß ich, dass ich mir etwas aufgebaut habe und einen kleinen finanziellen Puffer habe. Davon könnte ich sechs Monate leben und mir in der Zeit wieder etwas Neues aufbauen.

Scheitern kann passieren und manchmal ist das auch gar nicht schlecht.

Aber es gibt auch viele Möglichkeiten, sich ein Sicherheitsnetz zu bauen und sich wenigstens ein bisschen abzusichern. Dabei hilft auch eine gute Vorbereitung, wenn man sich selbstständig machen will. Wenn man einfach ins Blaue springt, ist es viel schwieriger. Das man zum Beispiel so viel Geld angespart hat, dass man 6-12 Monate davon leben kann. Dadurch kann man sich in dieser Zeit auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich sich ein Business aufzubauen.

 

Hast Du trotz deiner Reisen in irgendeiner Form einen Arbeitsalltag?


Ich arbeite viel mit To Do-Listen und mache Wochenpläne. Das mache ich meistens sonntags für die kommende Woche und abends schreibe ich mir immer noch eine kleine Liste für den nächsten Tag. Ansonsten versuche ich immer vor allem vormittags zu arbeiten. Und meine Produktivität ist mir sehr wichtig, deswegen arbeite ich auch immer mit Tools und Strategien. Das Leben ist mir ja sehr wichtig und davon habe ich mehr, wenn ich produktiv bin. Also versuche in kurzer Zeit viel zu schaffen, um dann mehr vom Tag zu haben. Das ist auch so ein großer Nachteil der Büroarbeit, dass man 8 Stunden an seinen Bürostuhl gefesselt ist.

Wenn man für sich selbst arbeitet und nachmittags zum Beispiel noch zum Strand will, dann ist man viel produktiver und schafft die Aufgaben in kürzerer Zeit. Man muss seine Zeit nicht absitzen. Das ist natürlich eine große Motivation. Ansonsten schaue ich auch immer, dass ich einen kompletten Tag frei habe und vom Internet loskomme. Ich will am Tag eigentlich nicht mehr als 3-5 Stunden arbeiten. Hin und wieder passiert das aber natürlich, wenn größere Projekte anstehen. Ich arbeite am liebsten morgens und spät abends, aber eine ganz feste Struktur habe ich nicht.

 

Was würdest Du jemandem raten, der auch ortsunabhängig arbeiten will?


Ich würde ihm raten, dass er sich erstmal überlegen soll, was er eigentlich gerne machen will. Man muss ich überlegen, wie der ideale Lebensstil und der ideale Tag aussehen soll.

Das ist sowieso eine gute Übung: Sich überlegen, wie der perfekte Tag aussehen soll.

Auch wenn er noch so außergewöhnlich ist. Im nächsten Schritt muss man schauen, welche Fähigkeiten man hat und welche Dienstleistung man anbieten kann. Oder ob man ein Unternehmen gründen will. Man sollte schauen, was sich davon am besten monetarisieren lässt und sich erstmal ein kleines finanzielles Polster ansparen, für 6-12 Monate. Dann sollte man alles lesen und inhalieren, was man zum Thema Bloggen, Online Marketing und ortsunabhängiges Arbeiten findet. (lacht) Und jetzt sollte man einfach starten, besser gestern als morgen. Im besten Fall sollte man sich für den Anfang ein Land aussuchen, das günstige Lebenshaltungskosten hat. Vor allem, wenn man nicht so viel Geld gespart hat. Vielleicht Thailand oder Nicaragua.

Und dann muss man nur noch seinen Job hinschmeißen.

 

Unsere letzte Frage: Was wäre deine Idealvorstellung für die Arbeitswelt? Oder was ist dein Antrieb, es anders zu machen?

 

Ich bekomme täglich unglaublich viel Feedback von meinen Lesern auf Planet Backpack.

Dadurch sehe ich, dass es wirklich viele Menschen gibt, die in ihrem Leben etwas verändern wollen und die keinen Bock mehr haben, auf diese konventionellen Arbeits- und Lebensstrukturen.

Und es gibt auch immer mehr Menschen, die den Mut fassen, das in die Tat umzusetzen. Es findet gerade schon eine Umbruchphase statt. Heutzutage ist es auch einfacher und besser denn je, zum Beispiel ortsunabhängig zu arbeiten. Einfach durch die sensationellen Möglichkeiten des Internets.

Natürlich wäre es für mich am Schönsten, wenn alle Menschen auf der Welt das machen könnten, was sie lieben und was sie jeden Tag glücklich macht. Es macht mich manchmal wirklich wahnsinnig zu sehen, wie unglücklich die Menschen sind, in dem was sie tagtäglich tun.

Und oft nur weil sie finanziellen Bürden haben. Was die Optimallösung wäre, ist wirklich schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass ich durch meine Art des Lebens vielen Menschen dabei helfen will, den gleichen Weg zu gehen. Und je mehr ich damit erreiche, umso glücklicher macht es mich selber. Die ganze Welt umzustrukturieren, wird schwierig sein. (lacht) Aber zumindest will ich die erreichen, die offen dafür sind und darauf Lust haben. Damit will ich einen kleinen Unterschied machen.

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Danke liebe Conni für das Interview! Wir sind begeistert von deinem Elan und deinen tollen Ideen! Viel Erfolg weiterhin und gute Reise!