Vergiss Mein Nie

Interview

Anemone Zeim & Madita van Hülsen

"Seitdem wir Vergiss Mein Nie haben, haben wir das Gefühl, dass wir uns wirklich etwas fürs Leben aufgebaut haben, was uns für immer erfüllen kann."

Über Anemone Zeim & Madita van Hülsen

Anemone Zeim und Madita van Hülsen haben gemeinsam "Vergiss Mein Nie" gegründet - eine Trauerberatung und Erinnerungswerkstatt in Hamburg. Mit "Vergiss Mein Nie" möchten sie ein Neudenken über Leben, Tod und Trauer anregen und füllen eine Lücke, die ihnen persönlich immer gefehlt hat.

Web        www.vergiss-mein-nie.de

 

Interview vom 4. Mai 2016 in Hamburg.

Als Anemone und Madita sich kennengelernten, wussten sie sofort: wir müssen eine Projekt zum Thema Tod und Trauer auf die Beine stellen. Und zwar ganz anders, als alles bisher Dagewesene! Daraus ist "Vergiss Mein Nie" entstanden. Wie sie auf die Idee gekommen sind und was für sie selbstständiges Arbeiten, Freiheit und Geld bedeuten, erzählen sie uns im Interview.

Erzählt mal kurz, was ihr beide bisher beruflich gemacht habt. Wie war euer Start ins Berufsleben?

 

Anemone: Ich bin Diplomdesignerin, Texterin und Konzepterin und verkaufe noch immer als Freelancerin in Hamburg meine Ideen an Agenturen. Ich habe mich total schnell selbstständig gemacht und nie bereut. Für mich ist das die ideale Arbeitsweise, um als Kreative in der Werbung immer wieder an neuen Aufgaben zu wachsen, anstatt in routinierter "Käfighaltung" selten Tageslicht zu sehen.

Madita: Hui, ok. Ich versuche es kurz zu machen. Kurz vorweg sei gesagt, dass meine beiden Berufe Moderatorin + Trauerberaterin für mich tatsächlich - auch wenn sich das jetzt etwas schmalzig klingt - eine Berufung sind und keineswegs einfach nur so "Berufe".

Ich wollte schon mit 14 Jahren Moderatorin werden, habe dann aber erst in Werbeagenturen und in der Musikbranche gearbeitet, bis ich beim Radio und beim Fernsehen gelandet bin. Jetzt bin ich seit neun Jahren Moderatorin und kann mir nichts Schöneres vorstellen, als das zu machen, was man liebt. Ich finde, das Fernsehen erlaubt einem, auch wenn man am Ende professionelle Arbeit abliefern muss, im Herzen ein Kind zu bleiben. Außerdem darf ich dort genau die Person sein, die ich wirklich bin und muss mich nicht verstellen. Ich darf auch mal Quatsch machen, einen Lachkrampf kriegen und ein bisschen verrückt sein, das liebe ich an diesem Beruf!

Mit 32 Jahren habe ich nebenbei noch zwei Jahre eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht. Das Thema Tod hat mich selbst schon immer sehr beschäftigt und durch einige Erlebnisse in meinem Leben bin ich immer wieder damit in Kontakt gekommen.

Die Arbeit als Moderatorin und Trauerbegleiterin sind überhaupt kein Wiederspruch, ganz im Gegenteil. Die Trauerarbeit profitiert sogar enorm von meinem Beruf als Moderatorin, denn die Power und Fröhlichkeit, die ich im Entertainmentbereich auftanke, fließt geradewegs zu Trauernden, die diese energiereiche Lebensbejahung sehr gut gebrauchen können. Für mich persönlich ist es eine perfekte Balance meiner Fähigkeiten. Und es ist ja nicht so, dass die Arbeit mit Trauernden einem keine Kraft gibt. Hier steckt auch unglaublich viel positive Energie drin. Es ist ein unglaublich erfüllender Beruf und die Erinnerungen und Geschichten der Menschen sind oftmals sehr bunt und überhaupt nicht traurig. So kann bei Trauernden neue Lebensfreude und Hoffnung entstehen.

 

Wie habt ihr euch getroffen? Woher kam die Idee zu "Vergiss Mein Nie"?
  

Anemone: Madita und ich waren Nachbarinnen auf St. Pauli. Madita hatte zu dieser Zeit ein Interview Magazin, für das ich gelegentlich schreiben wollte. Bei diesem Treffen sprachen wir erstaunlicherweise nicht über das Geschäftliche sondern wie zwei Wasserfälle über das Thema Tod und Trauer, wie tabuisiert es ist und welche Möglichkeiten dadurch brachliegen. Ich erzählte von einer Trauerkarte, die ich mal gestaltet hatte und die die betreuende Bestatterin dazu veranlasste, mir spontan einen Job in ihrem Betrieb anzubieten. Superschräg. Damals lehnte ich ab. An diesem Nachmittag im Cafe merkten wir aber: Da steckt was drin. Dieses Gespräch – bei Sonnenschein und Cupcakes – war ein total fröhliches und belebendes. Wir waren selbst überrascht und fragten uns – sind wir die einzigen Menschen auf diesem Planeten, die dieses Thema interessiert?

Immerhin betrifft es jeden von uns, aber niemand mag sich damit auseinandersetzen. Wir hatten ziemlich viele schräge Ideen an diesem Nachmittag, aber auch ein paar gute. Die Wichtigste: Eine Umgebung zu schaffen, an dem der (eigenen) Trauer angstfrei und neugierig begegnet werden darf. Daraus entstand die Grundidee für "Vergiss Mein Nie".

Es gibt zwei Milliarden Dienstleistungen rund um das Thema Tod und Sterben. Und keine einzige kümmert sich um das, was bleiben soll: Die Erinnerung an das Leben mit dem Verstorbenen.

Es geht immer eher darum, den Akt Beerdigung schön anzupinseln (wogegen nichts einzuwenden ist), aber langfristige Lösungen stehen nach dem Klischee eher in der Psycho-Ecke.

Was ist mit dieser Energie, dieses Strahlen, das einen Raum erobert, wenn man einen  Trauernden nach seinen Erinnerungen befragt und mit ihm auf "Zeitreise" geht? Die  könnte man doch festhalten – für schlechtere Zeiten. Zack, peng. Da war die Idee.

 

Und was genau ist jetzt "Vergiss Mein Nie"?

 

Anemone & Madita: "Vergiss Mein Nie" ist eine Trauerberatung und Erinnerungswerkstatt. Das bedeutet zu uns kommen Menschen die überhaupt erst einmal wissen möchten, was sie alles machen können im Bezug auf Gestaltung der Beerdigung und dem Umgang mit der eigenen Trauer. Aber auch Trauernde, denen das eigenen Umfeld signalisiert, dass sie "langsam nerven" sind oder "scheinbar schon zu lange trauern". In unseren Workshops erfahren Freunde und Angehörige zum Beispiel, wie man mit Trauernden ohne Berührungsängste umgehen kann.

Unsere Erinnerungswerkstatt wiederum befasst sich mit der Gestaltung von sinnvollen Erinnerungsstücken. Diese sind immer sehr individuell. Da wird der Lieblingsteelöffel der Oma zum Anhänger für die Enkelin. Das kann ein Pullover der Mutter sein, umgestrickt zur Mütze für die Tochter oder eine facettenreiche Biografie einer verstorbene Ehefrau, erzählt von 30 verschiedenen Freunden und Bekannten als Erinnerungsgeschenk für den Ehemann. Die Lieblingswanderung des Vaters,  gemeinsam nachgewandert von der Familie. Der Herzschlag des Sternenkindes in den Lieblingssong gemischt. Es gibt tausend Ideen: Erinnerungen können viele Formen haben. Wichtig ist, dass es passt. Sonst wird es ein Staubfänger.

 

Der Tod und der Umgang damit ist ja ein sehr persönliches Thema, das uns alle betrifft und doch immer noch ein Tabuthema, das man lieber umgehen möchte. Wie wurde euer Angebot aufgenommen?

 

Anemone: Es ist echt verrückt, aber wir bekommen ziemlich viel Zuspruch und sogar Fanpost von lieben Menschen, die schreiben, dass sie uns momentan nicht brauchen aber es richtig gut finden, was wir machen. Das hätten wir nie erwartet, tut aber natürlich sehr gut. Wir bieten etwas an, dass man eben nicht jeden Tag braucht. In unserem Laden in Hamburg erleben wir aber wie dankbar Trauernde und Angehörige sind, wenn sie einen Raum für ihre Gefühle und Gedanken bekommen. Und wie heilsam es sein kann, kreativ zu arbeiten, zum Beispiel an einem Erinnerungsstück. 

Madita: Wir merken, dass es unglaublich wichtig ist, über die Themen Leben, Tod, Sterben und Erinnerungen grundsätzlich zu sprechen. Wenn man selber den Mut hat, sich die Zeit für die eigene Trauer zu nehmen und somit auch anderen Menschen zuzugestehen zu trauern, merkt man schnell, dass die meisten Menschen ein großes Bedürfnis haben, über ihre Trauer und den Verstorbenen zu sprechen. Das ist unglaublich wichtig für einen gesunden Umgang mit der Trauer und gerade (gemeinsame) Erinnerungen können große Heilkräfte wecken.

 

Wie hat euer Umfeld auf die Entscheidung reagiert, "Vergiss Mein Nie" zu gründen?

 

Anemone: Ganz gut. Wir haben ja nicht über Nacht gegründet, sondern uns parallel auch noch zwei Jahre lang als Trauerbegleiter fortgebildet. Und den Selbstständigkeitsschock hatten meine Eltern ja schon Jahre vorher, als ich mich in der Werbung selbstständig gemacht hatte. Bei "Vergiss Mein Nie" war es anders. Wir haben nach Konzept gearbeitet, nach und nach den Businessplan geschrieben und dadurch ständig Feedback bekommen – ausnahmslos sehr Gutes. Wir haben eine Wahnsinnsunterstützung von Menschen bekommen, von denen wir das vorher nie gedacht hätten. Alle haben an uns geglaubt. Das hat uns in dieser Entscheidung bestärkt.

Madita: Anemone und ich wussten beide aus eigener Erfahrung, dass wir so eine Agentur wie "Vergiss Mein Nie" gerne selber in Anspruch genommen hätten, in Zeiten der Trauer, und auch in unserem Umfeld haben wir gemerkt, dass wir nach unserer Gründung immer mehr um Rat gefragt wurden, das hat uns in unserer Entscheidung bestärkt. Was allerdings für uns beide eine interessante Erfahrung war, dass wir beide immer wieder darauf angesprochen wurden wie zwei so Powerfrauen, die doch eigentlich sehr fröhlich sind, auf einmal eine Agentur für "Trauerberatung" gründen. So als ob man sich für Trauerarbeit mit besonders viel Schwermut qualifizieren müsste. Ich bin zwar an sich ein fröhlicher Mensch, aber auch ich habe bereits mit Anfang 20 erlebt, wie Trauer und Angst nach einem greifen – wie alleine man mit seinen Bedürfnissen gelassen wird – gerade deshalb ist es so besonders wichtig, dass man offen mit dem Thema umgeht und es aus seiner dunklen Ecke herausholt.

 

Ihr habt im Frühjahr 2016 euer erstes Buch veröffentlicht. Wie kam es dazu? Hat sich dadurch euer Angebot verändert? Wenn ja, wie?

 

Anemone: Durch eine andere Publikation des Patmos Verlags, in der "Vergiss Mein Nie" lobend erwähnt wurde, kam die Lektorin auf uns und schlug vor, das Buch zu schreiben. Und dann haben wir das einfach gemacht. Das Buch "Vergiss mein nie – Mit Erinnerungen die Trauer getalten" ist eine Anleitung, sich mit der eigenen Trauer und Erinnerungen auf kreativem Wege auseinanderzusetzen und inspiriert dazu, Erinnerungen zu gestalten. Das ist das, was wir in unserer Erinnerungswerkstatt genau so machen.

Madita: Wir haben bei "Vergiss Mein Nie" gemerkt, dass sich aus ganz Deutschland Menschen an uns wenden, daher war es uns ein besonderes Anliegen ein Buch zu schreiben und zu gestalten, wo wir Menschen ein gutes Gefühl geben sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen. Da wir unsere Basis in Hamburg haben, lag uns dieses Projekt wirklich sehr am Herzen. Umso schöner ist es zu sehen, dass sich aufgrund der großen Nachfrage daraus unser zweites Projekt entwickelt hat "Vergiss mein nie – Der Erinnerungskalender für Trauernde".

 

Euer Unternehmen ist sicherlich nicht in der einfachsten Branche angesiedelt. Vor welchen Herausforderungen steht ihr?

 

Anemone: Zum einen müssen wir uns überhaupt bemerkbar machen. Sowas wie uns gabs ja vorher noch gar nicht.

Es ist wie eine Mondlandung – jeden Tag eine neue Herausforderung.

Eigentlich ist es auch so, dass wir im Moment zu viele Ideen haben und uns echt ausbremsen müssen. Eine wichtige Herausforderung ist, dass wir mit Trauernden arbeiten und dadurch eine besondere Verantwortung haben, viel intensivere Erstkontakt und Akquisephasen. Alles ist viel emotionaler als beispielsweise in einer Werbeagentur. Das einzelne Erinnerungsstück ist ein Unikat und in seiner Bedeutsamkeit und Wirkung für die Trauernden mit nichts zu vergleichen. Trauerarbeit wird immer auch mit sozialem Engagement gleichgesetzt. Manche Leute reagieren irritiert, wenn sie hören, dass wir nicht gemeinnützig sind. Dabei ist es ein einfacher Tausch, und idealerweise sind am Ende alle etwas glücklicher.

Madita: Ich würde sagen, dass man grundsätzlich in der Phase der Neugründung, also in den ersten drei bis fünf Jahren, viel Geduld, Rückgrat und ein enormes Durchhaltevermögen braucht. Hier kommt noch hinzu, dass das Thema "Trauer" behutsamer und geduldiger behandelt werden muss, als zum Beispiel ein Restaurant oder ein T-Shirt-Laden. Das bedeutet eben, dass man sich sehr viel mehr Gedanken machen muss, wie man bei bestimmten Steps voranschreitet. Anemone und ich sind uns aber von Anfang an dieser ganz besonderen Herausforderung bewusst gewesen und haben uns daran gewöhnt, dass die Uhren in dieser Branche langsamer ticken.

 

Empfindet ihr eure Selbstständigkeit mit "Vergiss Mein Nie" anders als eure bisherige Selbstständigkeit als Freelancer? Wenn ja, wieso? Was bedeutet euch der Wert der Selbständigkeit?

 

Anemone: Der Unterschied bei mir ist die Vielschichtigkeit der Aufgaben. Als Freelancer bin ich nur Hürdenläuferin, "Vergiss Mein Nie" ist ein Triathlon: Denken, laufen, machen. Ich dachte anfangs: "Naja, ist ja das gleiche in grün wie Freelancer-sein." Nein. Ist es nicht. Ein Startup ist ein Startup. Und alles, was darüber gemunkelt wird, ist wahr. Schlaflose Nächte, Überstunden, zu wenig Geld, wilde Euphorie. Einem Unternehmen wie "Vergiss Mein Nie" auf die Welt zu helfen, das fühlt sich komplizierter an als Freelancer zu sein. Das fängt an bei Verantwortung und Verbindlichkeiten, Mitarbeiterkram und endet immer bei der Frage: In welche Richtung entwickeln wir uns weiter? Immerhin bin ich als Freelancer alleine für meinen Kram verantwortlich und jetzt sind wir zu zweit. Das ist anders gut.

Madita: In meinen Job als Moderatorin gestaltet sich der Tagesablauf von den Kunden und mir in der Regel getreu dem Motto: "schneller, höher, weiter". Das Tempo der Klienten bei "Vergiss Mein Nie" und von Anemone und mir bei der Trauerberatung ist genau das Gegenteil. Das finde ich persönlich sehr schön und ist ein guter Ausgleich um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Was ich an beiden Berufen so sehr schätze, ist dass sie sehr individuell sind und das man sich jeden Tag auf neue Menschen und neue Situationen einstellen muss. Das ist von unschätzbarem Wert.

 

Fühlt ihr euch als Unternehmerinnen? Wie würdet ihr den Begriff "Unternehmerin" definieren?
 

Anemone: Ich persönlich fühle mich auf dem Weg zur Unternehmerin. Ich glaube der Unternehmer ist über die Phase der eigenen Selbstverwirklichung (erfolgreich) hinaus und kann jetzt sein Unternehmen verwirklichen. Ein Unternehmen ist viel uneigennütziger als eine Selbstständigkeit, weil es Menschen begeistern kann und die dann ihre Zeit mit dem Unternehmen verbringen möchten. So eine Unternehmerin möchte ich sein, eine, die Menschen begeistert, in ihrer Entwicklung unterstützt und fördert und versorgt, weil ich damit auch "Vergiss Mein Nie" weiterbringe.

Madita: Ich fühle mich als Macherin. Ich bin schon 15 Jahre selbstständig und habe immer wieder Ideen verwirklicht, die mir wichtig waren.

Zweifel niemals daran, dass eine Person oder kleine Gruppe von Menschen die Welt verändern kann – es ist das einzige, was bisher funktioniert hat.

 

Habt ihr vor "Vergiss Mein Nie" anders über Unternehmertum gedacht?
 

Anemone: (lacht) Ja. Ich habe es mir einfacher vorgestellt. Aber auch eintöniger. Manchmal ist Freelancer sein einfach unkomplizierter. Man hat ständig Muffe, etwas zu vergessen. Aber dafür habe ich Madita. Die vergisst nie was.


Madita: Erfolg kommt nicht von alleine oder wie Harald Schmidt es bereits so schön sagte: "Es gibt keine verkannten Genies. Es gibt nur Talente ohne Ehrgeiz.".

 

Inwiefern hat sich euer Leben durch die unternehmerische Arbeit verändert?
 

Anemone:

Ich denke jetzt mehr in Langstrecken und weniger in kurzen egoistischen Episoden.

Ich habe gelernt zu delegieren, denn das ist überlebenswichtig. Ich gehe Kompromisse ein und versuche weniger perfektionistisch zu sein. Danach fahre ich in meinen Schrebergarten und liege faul rum.

Madita: Haha, das ist eine super Antwort von Anemone. Ich kenne sie niemals faul! In ihrem Schrebi macht sie dann auch immer irgendetwas, kreiert eine neue Werkbank, gestaltet den Garten um oder baut sich ein Kuschelsofa selber. Mir geht es aber mit dem langfristigen Denken ähnlich.

Seitdem ich "Vergiss Mein Nie" habe, habe ich das Gefühl, dass ich mir wirklich etwas fürs Leben aufgebaut habe, was mich für immer erfüllen kann.

Das ist mit dem Job als Moderatorin zwar auch so, aber hier hängt dein Lebensweg auch vielen anderen Faktoren ab wie z.B. was ist gerade Trend, ist dein Typ im Moment gefragt und bist du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. "Vergiss Mein Nie" kann ich, da es zum Teil aus meiner Hand entsteht, besser koordinieren.

 

 

Was bedeutet "Arbeit" für euch?

 

Anemone: Eine Lebensaufgabe, die mich und andere begeistert und meine Bedürfnisse finanziert.

Madita: Ich mache grundsätzlich nur Sachen, die mir Spaß machen – alles andere sind nur Energiefresser. Ich muss gestehen, dass ich alles, was am Computer an Arbeit stattfindet oder digital ist, mehr als "Arbeit" empfinde. Also quasi jede Form von Arbeit, die ohne Menschen stattfindet. Das heißt nicht, dass ich Technik nicht als etwas ganz Wunderbares empfinde, aber meistens erfüllt es mich nicht mit Liebe.

 

 

Wie wichtig ist euch Geld? Was bedeutet euch finanzielle Sicherheit?

 

Anemone: Kommt darauf an. Natürlich ist eine finanzielle Sicherheit wichtig. Vor allem wichtig, weil wir nie in die Situation kommen wollen jemandem in unserem Laden etwas verkaufen zu müssen, was vielleicht nicht so ganz passt nur weil wir die Miete bezahlen müssen. Ich glaube, gute Arbeit muss gut entlohnt werden. Habe aber auch schon erlebt, dass kein Geld der Welt einen doofen Job besser macht. Im Gegenteil.

Madita: Ich freue mich, wenn ich mit einem tollen Job gutes und schnelles Geld verdiene. Ich mache aber auch immer wieder Jobs, wo ich gar keine Gage bekomme. Für mich ist meine Gage nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass ich jemanden glücklich gemacht habe mit dem, was ich getan habe. Ein Mensch gibt im Leben dann einfach mal ein bißchen mehr, wenn er es gerade kann und dafür bekommt ein anderer, der es gerade eher braucht, ein bißchen mehr. Das ist der Lauf der Dinge und das ist glaube ich auch gut so.

 

 

Was würdet ihr Menschen raten, die sich mit ihren Ideen selbstständig machen möchten? Gibt es einen Fehler, den ihr gemacht habt, vom dem andere lernen können?

 

Anemone: Madita und ich sind die unterschiedlichsten Menschen der Welt. Das ist schön und schrecklich zugleich. Ich bin die kreative Träumerin, die den Tag mit genialen Gedanken vertrödelt und Madita überholt sich manchmal selbst, weil sie alles so straight und schnell organisiert und umsetzt. Gemeinsam kriegen wir eine Menge hin, aber nur wenn wir uns klar an Regeln halten.

Von Anfang an also der Tipp: Ein Geschäftspartnervertrag wie auch immer der aussieht und Grundregeln festlegen: Urlaub, wer arbeitet wie viel, wer hat welchen Aufgabenbereich ...

Ansonsten gilt: Machen (hab ich von Madita gelernt) weil wenn man erst unterwegs ist, bekommt man ganz schön viel Unterstützung und erweitert den eigenen Horizont enorm. Mut lohnt sich.

Und sprechen: Kommunikation ist alles.

Madita:

1. Tipp: Was man nicht macht, passiert auch nicht.

2. Tipp: Take it - love it - or leave it.

 

 

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

 

Anemone: Mein Wunsch wäre, dass "Vergiss Mein Nie" ein Fixpunkt für Trauernde wird. Dass es irgendwann völlig normal ist, bei "Vergiss Mein Nie" vorbeizugehen und sich Zeit und Inspiration für die eigenen Gefühle zu nehmen und neugierig darauf zu sein, was sie mit einem macht. Wir wünschen uns einen gesellschaftlichen Wandel. Und natürlich noch viel mehr Projekte und Workshopteilnehmer und Freelancer, damit wir weiter wachsen können und noch mehr Mitarbeiter wie unsere wunderbare Nini einstellen können.

Madita: Eine sichere Basis für unsere kleine Agentur für Trauerberatung und Erinnerungen. Ich glaube und weiß einfach, dass wir mit "Vergiss Mein Nie" die Welt verändern können und der Gesellschaft auch viel Positives zurückgeben können. Wir glauben und wissen, dass viel Kraft in Erinnerungen und dem Teilen dieser Erinnerungen steckt. Wie bereits gesagt und daran glaube ich wirklich: Zweifel niemals daran, dass eine Person oder kleine Gruppe von Menschen die Welt verändern kann – es ist das einzige, was bisher funktioniert hat. Ich erlebe das gerade mit "Vergiss Mein Nie" selbst.

 

Wir wünschen euch all das! Vielen Dank für das Interview!